Das Phänomen der "Blickwahrnehmung" wissenschaftlich untersucht

Stefan Schmidt

Zeitschrift für Anomalistik, ZfA Band 8 (2008), Nr. 1+2+3, S. 32-54.

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Zusammenfassung

In dieser Übersichtsarbeit wird das Phänomen der Blickwahrnehmung aus empirischer Sicht diskutiert. Eine außersinnliche Blickwahrnehmung wird definiert als die Wahrnehmung eines Blickes, der sich außerhalb des Sehfeldes der beobachteten Person befindet. Hierzu liegen in der Anomalistik-Forschung eine große Zahl von Studien vor, die sich in zwei Experimentalparadigmen unterscheiden lassen. Zum einen direktes Anschauen mit einem bewussten verbalen Bericht der angeschauten Person als abhängige Variable (Typ A-Experiment), zum anderen indirektes Anschauen durch ein Kamerasystem und Aufnahme eines physiologischen Parameters als unbewusste abhängige Variable (Typ D-Experiment). Beide Ansätze werden in ihrer historischen Entwicklung dargestellt und über Metaanalysen zusammengefasst. In beiden Paradigmen zeigen sich auf unterschiedlichem Evidenzniveau kleine, aber signifikante Effekte. Hinsichtlich der Typ A-Experimente gibt es viele methodische Kontroversen und Schwierigkeiten, die ausführlich beleuchtet werden. Ein Experiment aus unserem eigenen Labor beschreibt einige Neuentwicklungen und verdeutlicht offene Fragestellungen in diesem Forschungsfeld. Insgesamt weist das vorliegende Material auf einen kleinen außersinnlichen Blickwahrnehmungseffekt hin, auch wenn die methodische Qualität der zugrundeliegenden Arbeiten nicht immer optimal ist. Dieser Effekt scheint mehr an die Intention des Beobachters als an den direkten (physischen) Blick gebunden zu sein. Die Bedeutung dieses Effekts im Alltag ist aber sehr gering, da der Effekt nur eine sehr kleine Effektstärke aufweist.

Abstract - Is somebody staring? Glaring? Gazing? A review on staring detection

This review addresses the phenomenon of staring detection empirically. Staring detection is defined as the detection of a gaze, which is located outside the visual field of the person gazed at. Within parapsychology a large group of experiments assessed this phenomenon. Experiments can be grouped mainly in two different designs. Type A-experiments involve direct staring from behind and a verbal report of the person stared at. Type D-experiments operationalize staring via a closed circuit TV-system and measure a physiological parameter as dependent variable. The history of both paradigms is described and all existing data are assessed by meta-analyses. Within both experimental paradigms small but significant effects of staring detection can be found, although the level of evidence for the two meta-analyses is slightly different. Especially Type A-experiments show many methodological difficulties which are discussed in great detail. A recent study out of our own lab in Freiburg describes new developments and open questions in this field of research. Overall it can be concluded that there is a small staring detection effect in spite of the fact that not all studies are of optimal quality. This effect may be more related to the intention of the starer than to the factual gaze itself. As the effect reported here is very small one has to conclude that its impact on daily life is very limited.

Inhalt

Stefan Schmidt arbeitet am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Freiburg, Breisacher Str. 115b, D-79106 Freiburg/Breisgau.