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Zeitschrift für Anomalistik Band 18 (2018) Nr. 1+2


Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 6–8

Editorial: Zeitgeist

Gerhard Mayer


Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 9–34
DOI: 10.23793/zfa.2018.9

Approaches to Altered States of Consciousness in Contemporary Western Science and Technology (Zugänge zu außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen in der gegenwärtigen westlichen Wissenschaft und Technik)

Birgit Menzel

Zusammenfassung

Zusammenfassung – Dieser Artikel bietet einen Überblick über neue Publikationen westlicher – anglo-amerikanischer und deutscher – wie auch russischsprachiger Forschung über veränderte Bewusstseinszustände seit 2000. Der Anlass ist zum einen der präzedenzlose Aufstieg der Gehirnforschung und Neurowissenschaft in den letzten beiden Jahrzehnten, der einhergeht mit der Entwicklung reduktionistischer Modelle des menschlichen Geistes und Visionen einer technologisch augmentierten Menschheit. Zum anderen sind zeitgleich integrative Modelle zu solchen Bewusstseinszuständen entwickelt worden, die auf eine Versöhnung der sich vertiefenden Kluft zwischen Natur- und Human-/Geisteswissenschaft und Religion/Spiritualität hinwirken. Im ersten Teil des Artikels werden das sogenannte „neurocentric age“ und neue Publikationen und Ansätze aus verschiedenen Disziplinen zu außergewöhnlichen Bewusstseinszustände vorgestellt: z.B. aus dem Bereich der kognitiven Religionswissenschaft, der Musikanthropologie bzw. Musikwissenschaft und aus der klinischen Psychologie infolge wieder aufgenommener Experimente mit psychoaktiven Substanzen (LSD). Anschließend werden vier grundlegende Publikationen beschrieben, die aus langjährigen kollektiven Studien interdisziplinärer Experten hervorgegangen sind und die integrative Modelle im Umgang mit außerordentlichen Bewusstseinszuständen vorstellen. Im zweiten Teil des Aufsatzes werden zwei diametral entgegengesetzte Ansätze zum Umgang mit außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen diskutiert: das Projekt des Transhumanismus (um Ray Kurzweil) als Beispiel für ein hochspekulatives, mit eschatologischen Visionen unterlegtes Konzept im Dienste der High-Tech Neuro-Industrie; und der systemisch-integrative Ansatz von Fritjof Capra und Pier Luigi Luisi als Versuch, Natur- und Geisteswissenschaften und Religion bzw. Spiritualität miteinander zu versöhnen und eine ökologisch nachhaltige Vision für die Zukunft der Menschheit anzubieten.

Schlüsselbegriffe: Bewusstsein – veränderte Bewusstseinszustände – Neurowissenschaft – Transhumanismus


Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 35–66
DOI: 10.23793/zfa.2018.35

Metamorphosen der Bête du Gévaudan – oder vom Reiz des Ungewöhnlichen und Unbekannten

Meret Fehlmann

Zusammenfassung

Zusammenfassung – Die Bête du Gévaudan war ein wolfsähnliches Raubtier, das in Frankreich von 1764 bis 1767 aktiv war und um die 100 Todesopfer forderte. Die Geschehnisse konnten nie restlos geklärt werden, was zu unterschiedlichen Spekulationen Anlass gab und gibt. Die seit 250 Jahren zirkulierenden Erklärungsansätze und Theorien über das wahre Wesen der Bête bieten sich an, um soziokulturelle Deutungsmuster auf aggressives Verhalten von Wölfen nachzuzeichnen. Im Zusammenhang mit der Rückkehr der Wölfe gewinnen Fragen um deren Wesen und die eventuell von ihnen ausgehende Gefahr an Gewicht. Der Beitrag zeichnet Verhandlungen von Fragen des Wissens, seiner Legitimität sowie seiner Akzeptanz in der Gesellschaft am Beispiel der Bête du Gévaudan nach.

Schlüsselbegriffe: Bête du Gévaudan – Prädation – Wolfsangriff – Frankreich – Kryptozoologie – Rezeption – Volkskunde


Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 67–75
DOI: 10.23793/zfa.2018.67

Kommentare zu „Metamorphosen der Bête du Gévaudan“

  • Ulrich Magin: Menschen oder Wölfe? Der moderne Fall des „Würgers vom Lichtermoor“
  • Gerhard Mayer: Der „Problem-Wolf “ – und ein Fall von Koinzidenz
  • Michel Meurger: Kamisardenkrieg, „Meneurs de Loups“ und Kryptozoologie

Antwort der Autorin:

  • Meret Fehlmann: Nochmals zur Bête du Gévaudan

Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 76–103
DOI: 10.23793/zfa.2018.76

Hellsehen für den Staat: Gerard Croiset und die Suche nach Hanns Martin Schleyer (1977)

Uwe Schellinger

Zusammenfassung

Zusammenfassung – Bei der Suche nach dem von der terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) im sogenannten „Deutschen Herbst“ 1977 entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer schaltete der Sondereinsatzstab, der nach dem Aufenthaltsort von Schleyer fahndete, den damals weithin bekannten holländischen Hellseher Gerard Croiset ein. Vermittelt wurde der Kontakt durch den Freiburger Parapsychologen Hans Bender. Diese Zuhilfenahme paranormaler Fähigkeiten in der polizeilichen Ermittlungsarbeit hat in Deutschland unter dem Begriff ‚Kriminaltelepathie‘ eine längere Vorgeschichte. Der Beitrag rekonstruiert anhand der zugänglichen Quellen den Verlauf und die verschieden interpretierten Ergebnisse dieser Suche nach Schleyer mit paranormalen Methoden sowie die nachfolgende Reaktion in deutschen Printmedien. Thematisiert werden dabei die Lückenhaftigkeit der vorliegenden Quellen und deren Widersprüchlichkeit.

Schlüsselbegriffe: Gerard Croiset – Hans Bender – Hanns Martin Schleyer – Rote Armee Fraktion – RAF – Deutscher Herbst – Hellsehen – Kriminaltelepathie


Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 104–132
DOI: 10.23793/zfa.2018.104

Die Gesichter von Bélmez: Eine historische Rekonstruktion zu den Untersuchungen eines vermeintlich starken RSPK-Falles

Gerhard Mayer

Zusammenfassung

Zusammenfassung – Die sogenannten Gesichter von Bélmez zogen Anfang der 1970er Jahre beträchtliche Aufmerksamkeit sowohl in den öffentlichen Medien als auch in der internationalen parapsychologischen Community auf sich. 1971 erschienen auf dem Küchenboden eines Hauses in dem spanischen Ort Bélmez de la Moraleda Verfärbungen, die als Gesichter interpretiert wurden und von denen viele annahmen, dass sie paranormalen Urspungs seien. Mehrere Untersuchergruppen und Einzeluntersucher versuchten das Rätsel dieser Gesichter zu lösen. Aufgrund einer breiten internationalen Presseberichterstattung besuchten viele Touristen den Ort. In der Folge kam es zu staatlichen Repressionen, gefälschten Geständnissen und fragwürdigen ,Aufklärungen‘. Hans Bender (1907–1991) führte gemeinsam mit seinem spanischen Kollegen German de Argumosa (1921–2007) erste gründliche Untersuchungen durch. Er besuchte zwischen 1972 und 1973 dreimal den Ort, um einen Eindruck aus erster Hand zu gewinnen und Interviews zu führen. In den Zwischenphasen ließ er sich von Argumosa informieren und gab methodische Ratschläge. Für sein intensives Engagement gab es verschiedene Gründe. Zum einen hoffte er auf einen zwingenden Beweis für ein paranormales Geschehen, zum anderen war eine sechsteilige Fernsehserie mit dem Titel Psi geplant, für die man spannendes Filmmaterial benötigte. Die Ergebnisse eines zu diesem Zweck durchgeführten Experiments entsprachen allerdings nicht den Erwartungen. Dieser Artikel soll einen Eindruck von Benders Zugang zur Untersuchung von Spontanfällen geben. Außerdem soll das ziemlich komplexe Zusammenspiel von der Öffentlichkeit, der sozialen Rolle der Skeptiker sowie der Massenmedien auf der Suche nach einer ,guten Story‘ im Zusammenhang mit einem (möglichen) Spukfall (RSPK) beleuchtet werden. Weit davon entfernt, gelöst zu sein, bietet der Belmez-Fall alle Zutaten eines typischen RSPK-Falles wie auch die typischen Reaktionen der wissenschaftlichen Kollegen, Skeptiker und der Öffentlichkeit.

Schlüsselbegriffe: EVP – Gesichter von Bélmez – Massenmedien – RSPK – Skeptiker – Tonbandstimmen


Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 133–142
DOI: 10.23793/zfa.2018.133

Ein Familienfluch: Die Bedeutsamkeit der Einbeziehung subjektiver Krankheitstheorien in die psychotherapeutische Praxis anhand einer Falldarstellung

Johannes Heim

Zusammenfassung

Zusammenfassung – In diesem Beitrag soll ein Fallbeispiel aus der Praxis des Autors vorgestellt und diskutiert werden. Es handelt sich um die analytische Behandlung eines 10-jährigen Jungen mit Verdacht auf Autismus-Spektrum-Störung und begleitend dessen Eltern, mit Schwerpunkt auf der unbewussten Übertragung von Generationskonflikten von der väterlichen Linie auf den Sohn. Anhand des Falles soll exemplarisch aufgezeigt und besprochen werden, wie religiöse bzw. volksmagische Vorstellungen Einfluss auf den Verlauf und das Verständnis von Psychotherapie nehmen können. Dabei bewegt sich der Artikel an der Schnittstelle zwischen Religion bzw. (volks-)magischen Vorstellungen, insbesondere des Verflucht-Seins bis hinein in mehrere Generationen, und tiefenpsychologischen Erklärungsmodellen mit dem Schwerpunkt auf primärer Schuld und Gefühlen existenzieller Scham. Dabei werden auch Gedanken zu der in diesem Fall vorliegenden transgenerationalen Weitergabe von der Großmutter auf den Vater, und vom Vater auf den Sohn diskutiert. Abschließend sollen im Rahmen dieses Artikels die Frage nach der Bedeutung subjektiver Krankheitstheorien und praktische Implikationen für die psychotherapeutische Haltung in der Praxis aufgeworfen und diskutiert werden.

Schlüsselbegriffe: analytische Psychologie – Fallbeispiel – Glaubensvorstellungen – Schadensmagie – Familienfluch


Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 143–160
DOI: 10.23793/zfa.2018.143

Veränderung der Interpretation paranormaler Erfahrungen durch den Einfluss neuer Medien

Sarah Pohl

Zusammenfassung

Zusammenfassung – Die digitale Revolution durchdringt beinahe alle Lebens- und Erfahrungsbereiche, weshalb es nicht weiter verwundert, dass auch unerklärliche/paranormale Erfahrungen in Wechselwirkung mit den neuen Medien stehen. Einerseits gehören neue Medien zur modernen Lebenswelt und sind als solche zunehmend auch wichtiger Bestandteil paranormaler Erfahrungen (Unerklärliches auf Handy-Fotos, technische Reaktionen bei Spuk usw.). Andererseits werden paranormale Erfahrungen durch Darstellungen und Konzeptionen aus dem Internet beeinflusst, wodurch sich deren Interpretation und Einbettung in vorhandene Belief-Systeme verändern. Parapsychologische Expertenberatung sollte diese Entwicklungen berücksichtigen. Eine ressourcenorientierte und bedeutungsbezogene Haltung im Umgang mit ungewöhnlichen Erfahrungen kann bei deren innerpsychischen Integration hilfreich sein. Die Relevanz der Frage nach dem ontologischen Status solcher Erfahrungen im beraterischen Prozess wird diskutiert. In diesem Zusammenhang wird weiterhin die Frage gestellt, inwiefern im Zeitalter von Internet und Aufklärung spirituelle Konzepte an Gültigkeit verlieren und durch pseudotechnische bzw. verschwörungsnahe Weltbilder ersetzt werden. Gelingt es durch solche verschwörungsnahen Interpretationskonzepte, einen subjektiven Bedeutungsbezug herzustellen und das Erlebte in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren, oder verhindern solche Interpretationen eine gelingende Integration? Diese Problematik wird anhand eines Praxisbeispiels diskutiert.

Schlüsselbegriffe: Online-Beratung – Internet – Brandmal – Einzelfall – Nicht-Wissen – Verschwörung


Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 161–182
DOI: 10.23793/zfa.2018.161

Rezensionen

  • Laurence Browne (2017). The many faces of coincidence
    Rezensent: Gerhard Mayer
  • Adrian Owen (2017). Zwischenwelten: Ein Neurowissenschaftler erforscht die Grauzone zwischen Leben und Tod
    Rezensent: Michael Nahm
  • Dennis Waskul with Michele Waskul (2016). Ghostly encounters: The hauntings of everyday life
    Rezensent: Gerhard Mayer
  • Edzard Ernst & Kevin Smith (2018). More harm than good? The moral maze of complementary and alternative medicine
    Rezensent: Florian G. Mildenberger
  • Friedo Mann & Christine Mann (2017). Es werde Licht: Die Einheit von Geist und Materie in der Quantenphysik
    Rezensent: Stephan Krall

Zeitschrift für Anomalistik 18 (2018), Nr. 1+2, S. 183-189

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Gerhard Mayer